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“ Erst wenn der letzte Baum gerodet...”

Autor: Miriam | Datum: 22 Oktober 2009, 12:42 | Kommentare deaktiviert

“...der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen,

werdet ihr verstehen, dass man Geld nicht essen kann.”

(indianisches Sprichwort)

 

Nach einer waghalsigen Fahrt die Berge hinauf erreichen wir endlich Baguio, eine Stadt in Nordluzon, welche hoch in den Bergen liegt. Hier oben ist es deutlich kuehler als in den tiefer gelegenen Teilen der Philippinen.

  

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Eindruecke in Zentralluzon

Autor: Miriam | Datum: 13 Oktober 2009, 09:23 | Kommentare deaktiviert

Hier kommt  wieder ein neuer Bericht:

 

"Pepeng" trifft Zentralluzon

 

Montag, 12. Oktober 2009 in Zentral-Luzon, Philippinen:

Ein bunt gemischtes neunkoepfiges Team ist auf dem Weg nach Tayug, einer kleinen Stadt in der Mitte Luzons. Unsere Mission lautet “Relief-Documentation”, was in der Praxis eine Bestandsaufnahme der Situation vor Ort bedeutet.

Nach einer mehrstuendigen Fahrt entlang gefluteter Reisfelder, um 45° abgesenkter Haeuser, aufgerissener Strassen und von Lebensfreude und-energie strotzender Menschen, sticht uns eine blaue Aufschrift ins Auge: “Flood-Control-Wall”. Die Ironie des Augenblicks besteht darin, dass diese Buchstaben auf einem kleinen Ueberbleibsel einer langen grossen Mauer zu lesen sind. Die Mauer, die der Flut-Kontrolle dienen sollte, liegt in viele Einzelteile zerstueckelt in der nahen Umgebung herum; sie hat der Flut nicht standgehalten. Uebrig ist allein die Information ueber ihren eigentlichen Zweck. Eine deutliche Botschaft: Das war keine gewoehnliche Flut!

Nach dem Taifun Ondoy Ende September sorgte Pepeng in der letzten Woche fuer Verwuestung in Zentralluzon. Er brachte nicht nur viel zu viel Wasser mit sich, sondern auch gefaehrliche Erdrutsche.

Aufgrund der Situation hat das Konzept der Relief-Operations der UCCP (United Church of Christ in the Philippines) eine Ueberarbeitung erfahren: Neben dem ueblichen Packen und Verteilen von lebenswichtigen Guetern, liegt der Fokus nun besonders auf Umweltschutz sowie Aufklaerung und Mobilisierung der Gemeinden. So wurde ein Tree-Planting Programm gestartet, das die Waelder in den Bergen wieder staerken soll. Nicht zuletzt ist das agressive Faellen von Baeumen in den letzten Jahren fuer die aktuellen Katastrophen verantwortlich. Das Wasser fliesst nun viel schneller in die Taeler und kann nicht mehr – wie noch vor wenigen Jahren – von den weitreichenden Waeldern aufgefangen werden. Die Neupflanzung von Baeumen in den betroffenen Gebieten ist als sehr effektive und nachhaltige Methode zu begruessen.

Zum anderen hat es sich die UCCP zum Ziel gesetzt, ihre Gemeinden viel staerker auf die Situation und ihre Ursachen aufmerksam zu machen. So haben einige Gemeindemitglieder die Moeglichkeit, in betroffene Gebiete zu fahren, den Menschen dort Solidaritaet zu erweisen und sich ein echtes Bild zu machen. Wirkliche Hilfe besteht nicht aus dem Verteilen von Lebensmitteln und Kleidung allein. Wichtig ist, dass die Dringlichkeit der Situation in den Koepfen und Herzen der Menschen ankommt!

Zurueck zu den Ergebnissen der Relief-Documentation am 12.10.09, Tayug, Zentralluzon: Nach den Informationen einzelner Gemeindemitglieder sind mehr als 100 Menschen in der nahen Umgebung durch Pepeng ums Leben gekommen. 90 % aller Familien sind mindestens in dem Sinne betroffen, dass ihr Haus “ausgewaschen” wurde. Oftmals reichte das Wasser bis zum Hals. Dabei ist zu betonen, dass nur sehr wenige Menschen in dem Gebiet schwimmen koennen und kaum ein Haus eine zweite Etage hat. Aber Pepeng hat noch viel weitreichendere Folgen. Ein sehr grosser Anteil der Reisernte in der Umgebung ist durch das schmutzige und stehende Wasser zerstoert worden. Nun wird also auch der Reis noch teuere werden, nachdem schon die Preise fuer Obst und Gemuese in die Hoehe geschossen sind. 1 kg Kartoffeln erhielt man vorher fuer 40-60 Piso, waehrend sie nun etwa 200 Piso kosten. Sie kommen meist aus Baguio, einer Stadt in Zentralluzon. Da die Strassen nun aber schwer zu passieren sind, kommt nur noch wenig Obst und Gemuese auf den Maerkten an. Auch der Fisch ist mit Vorsicht zu geniessen, da in die Fluesse Unmengen an Muell und Schadstoffen aus der Industrie gespuelt wurden. An Zusammenhaenge dieser Art zu denken, kann sich aber kein Familienvater aus einem betroffenen Gebiet leisten...

Es wird keine groessere “Flood-Control-Wall” benoetigt, sondern ein Umdenken bezueglich des Umgangs mit unserer Umwelt. Dies betrifft nicht nur die Bewohner der gefaehrdeten Gebiete, sondern alle Menschen dieser Welt und nicht zuletzt die Philippinische Regierung!"

 

Ansonsten kann ich noch sagen, dass es mir und Annika soweit gut geht. Ich habe ein paar Fotos von einigen Ausfluegen in den ein oder anderen Park Manilas reingestellt. Diese Ausfluege sind undenkbar ohne dabei nicht mindestens 1000 Fotos zu machen. Trotzdem ist es immer schoen unterwegs zu sein und einfach mal eine kleine Stecke zu laufen (den meistens nimmt man hier den Jeepeuy oder so). In zwei Wochen werde ich dann jedoch Manila verlasssen und nach Tacloban aufbrechen. Ich denke der Abschied aus Manila wird mir doch sehr schwer fallen, da ich die Meschen hier schon so verdammt lieb gewonnen habe. Trotzdem bin ich neugierig, wie es in Tacloban so ist... :)

 

Nachdem das Wasser goesstenteils abgeflossen ist wird die Zerstoerung erst sichtbar...

Autor: Miriam | Datum: 03 Oktober 2009, 03:26 | Kommentare deaktiviert

Hier ein kleiner Bericht, den Annika und ich ueber die letzten Tage in Manila verfasst haben:

Nachdem ein Grossteil der Wassermassen, die der Taifun Ondoy mitsichgebracht hatte, abgeflossen war, offenbarte sich die Zerstoerung, welche dieser hinterlassen hatte. Da Annika und ich zurzeit in einem nicht betroffenen Teil Manilas wohnen, haben wir nur eine ungefaehre Vorstellung von dem Ausmass der Verwuestung, welche der Taifun in ganz Luzon mit sich brachte.

Am Samstag, 25. September fiel soviel Regen nieder, wie sonst in einem ganzen Monat in der Philippinischen Regenzeit. Dies bewirkte letzten Endes dann auch die Ueberschwemmung. Dieser Tag wirkte fuer uns gar nicht so bedrohlich, da wir langen starken Regen aus Deutschland gewohnt sind. Zwischendurch haben wir draussen die Pfuetzen kontrolliert, ob diese nicht doch die Tuerschwelle uebertreten. Den Tag haben wir hauptsaechlich damit verbracht, viel zu lesen und zu essen. Als dann der Strom ausfiel, war dies nicht mehr moeglich. Kurz darauf kam auch kein Wasser mehr aus den Wasserleitungen. So blieb uns nichts anderes mehr uebrig, als gemuetlich bei Kerzenschein zusammenzusitzen und eine Art "Teepaeuschen" abzuhalten. Nach circa 6 Stunden kam der Stom wieder und wir konnten den Fehrnseher anschalten. Dort offenbarte sich uns dann, was in der Zwischenzeit passiert war: 80 Prozent Manilas waren ueberschwemmt. Die Flutmassen kamen oft so schnell, dass viele Menschen, wenn ueberhaupt, nur das Noetigste retten konnten. Bisher heisst es offiziell, dass 277 Menschen ums Leben gekommen waren! Das Ganze war fuer uns eher unbegreiflich. Man konnte sich nicht vorstellen, dass all dies nur wenige Meter von der eigenen Haustuer aus entfernt geschah. Ate Beth, unsere "Houskeeperin", hat per SMS saemtliche Freunde und Bekannte gefragt, wie es ihnen geht.

Am Montag haben wir gemeinsam einen kleinen Gottesdiest abgehalten, bei dem jeder ueber seine Eindruecke und Erfahrungen der letzten Tage berichten konnte. Die meisten von uns wollten eigentlich nur noch raus auf die Strassen und helfen, jedoch fehlte es an Guetern zum Verteilen, sowie an Fahrzeugen und Vielem mehr. So blieb uns zunaechst nichts anderes uebrig als zu beten. Uns ist gerade da aufgefallen, wie kompliziert es ist, eine solche Hilfsaktion zu planen und durchzufuehren.

Am naechsten Tag waren dann Lebensmittel und Kleidung da. Diese mussten in kleine Portionen eingeteilt und in die einzelnen Tueten verteilt werden. Somit waren wir den ganzen Vormittag damit beschaeftigt, Zucker in kleine Plastiktueten zu loeffeln und Linsen abzuwiegen. Gegen 16.00 Uhr waren die Waren dann endlich fertig verpackt! Jedoch war noch unklar, wann und wo genau man diese Gueter hinbringen sollte: Wer braucht unsere Hilfe am meisten? Wie finden wir dies heraus? Sollte man genauer recherchieren und mit dem Verteilen bis morgen warten, obwohl unsere Hilfe genau jetzt benoetigt wird? Der Hauptverantwortliche konnte nicht erscheinen, da er selber von der Flut betroffen war.

Nach langem Diskutieren sind wir mit einem gemieteten Jeepney zum "Forest Hill" aufgebrochen. Diesen Teil von Manila hatten die anderen Hilfsorganistionen bis zu dem Zeitpunkt noch nicht erreicht, da viele betroffene Gebiete vor dieser Gegend lagen.

Kurz nachdem wir unser Ziel ereicht hatten, scherten sich viele Menschen um uns, die uns von ihren Erlebnissen berichteten. Leider konnten wir wenig verstehen, da das meiste auf Tagalog gesprochen wurde. Eines konnten wir jedoch verstehen und das war die Freude und Dankbarkeit ueber unser Erscheinen. Gerade wir (Annika und Miriam) wurden als "foreigner" sehr herzlich begruesst. Einige Kinder zeigten uns stolz eine Schlange, die die Flut uerberlebt hatte und nun zusammen mit einer kleinen weissen Maus als Abendbrot im Kaefig sass. Jedoch interessierte sich die Schlage herzlich wenig fuer die Maus. Um uns ein genaueres Bild zu machen, sind wir durch eine Gasse gewandert. Diese endete direkt an einem Fluss. Hier wurde das Ausmass der Zerstoerung klar! Viele der anliegenden Haeser waren fortgespuelt oder stark beschaedigt. Der mitgeschwemmte Muell hing hoch in den Baeumen. Am Flussufer waren Menschen damit beschaeftigt, diverse Gegenstaende abzuspuelen, waehrend der Fluss immer mehr Sachen, wie Schuhe und sehr viel Muell, an die Ufer schwemmte. Die Anwohner berichteten, dass sie, als das Wasser ihnen bis zur Brust reichte an die hoeher gelegenen Stellen geflohen sind. Dort sassen sie dann Stunden auf den Deachern, waehrend sie beobachteten, wie ihre Haeuser in einem riesigen Meer verschwanden....man wusste nicht, wie weit das Wasser noch steigen wuerde, oder wann es abfliessen wuerde. Auch als wir diese Berichte hoerten, fiel es uns immer noch schwer, wirklich zu begreifen, was dort vorgefallen war. Wir muessen zugeben, dass wir es immer noch nicht so ganz begreifen koennen!

Am naechsten Tag ging es dann mit 3 Jeepneys weiter in andere Teile Manilas. Wir waren den ganzen Tag unterwegs und sind von Gemeinde zu Gemeinde gereist. Dort haben wir einige Lebensmittel und Kleidung abgeliefert. Hauptsaechlich jedoch ging es darum, Solidaritaet mit den Opfern zu zeigen. So berichteten uns viele wieder von ihren Erlebnissen. Danach haben wir gemeinsam ein oder zwei Lieder gesungen und gebetet. Insgesamt war das alles sehr bewegend. Es war wichtig, dass wir uns immer gegenseitig daran erinnerten, warum wir das machten! Eine der Kirchen war komplett unter Wasser gewesen. Die Instrumente, welche in der Bandecke standen, waren mit Schlamm bedeckt und groesstenteils nicht mehr zu spielbar. Der Pastor hatte es noch gerade geschafft, sich und seine Familie vor den herannahenden Wassermassen zu retten. Abschliessend ist zu betonen, dass es nicht nur in der Kirche so aussah, sondern auch in allen umliegenden Haeusern! Viele der Bewohner haben beinahe alles verloren!

Eine Frage, die wir uns gestellt haben, war, warum gerade dieser Taifun ein solches Hochwasser bewirkt hat. Immerhin ist dies das schlimmste Hochwasser seit 40 Jahren. Gruende dafuer gibt es viele. Zum einen sind viele Strassen in Manila so versiegelt, dass das Wasser nicht richtig abfliessen kann. Haeufig sind die Abflusssysteme auch mit Muell verstopft. Manila ist von Bergen umgeben. In den letzten Jahren sind diese starken Rhodungen zum Opfer gefallen, was vor allem gewisse Mining-Genossenschaften zu verantworten haben. Da es nun nicht mehr genug Baeume gibt, die das Wasser aufhalten koennen, fliesst dieses inzwischen direkt in die Taeler.

Ein Grossteil der Wassers ist nun nach ungefaehr einer Woche abgeflossen. Mit dem Verschwinden der Wassermassen sind jedoch noch nicht die Probleme verschwunden. Viele Menschen stehen vor dem Nichts und wir denken, es wird lange dauern, bis sie zu einem normalen Leben zurueckfinden koennen. Dieser Prozess wird nochmal viel Kraft und Unterstuetzung benoetigen. So liegt noch ein langer Weg vor vielen Betroffenen. Jedoch sollte man auch bedenken, dass man eine solche Katastrophe auch als eine Wahnung sehen sollte: Man sollte nicht nur die Auswirkungen dieser Flutkatastrophe bekaempfen, sondern auch die Wurzeln dieser. Es ist an der Zeit, die Probleme nachhaltig zu loesen, denn sonst ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Katastrophe wieder geschieht, sogar noch hoeher!

 

Kuzer Bericht ueber Hilfsaktionen etc

Autor: Miriam | Datum: 01 Oktober 2009, 09:03 | Kommentare deaktiviert

Erst mal moechte ich auf die Fotos hinweisen, die ich und Anni online gestellt haben (schaut euch auf jedenfall auch Annis an, die sprechen echt fuer sich!). Die letzten Tage waren wir damit beschaeftigt Paeckchen fuer die Opfer des Taifuns zu packen und diese dann gemeinsam zu verteilen. Dazu sind wir in einer grossen Gruppe zu verschiedenen Gemeinden gefahren, welche von der Flut betroffen waren, um ihnen Solidaritaet zu zeigen. So haben einzelne Gemeindmitglieder ueber ihre Erfahrungen berrichtet und wir haben gemeinsam gebetet und gesungen. Das war echt hart das alles mitzuerleben, aber ich muss sagen, dass ich es gut verkraftet habe. Ich habe mir immer vorgehalten, warum ich das gerade mache und die Menschen, mit denen ich unterwegs war haben mir auch sehr geholfen. 

Wenn man in die betroffenen Gebiete hineingeht scheint alles auf den ersten Blick ganz nett zu sein: Ueberall haengen Waescheleinen mit bunten Klamotten, die Baeume sind mit bunten Plastiktueten bestueckt und ueberall auf den Strassen sitzen kleine Gruppen von Menschen. Aber die Idylle truegt. Beim zweiten Blick erkennt man was hier passiert ist und wie sehr die Menschen leiden. Ueberall wo wir hinkamen waren wir schnell von Meschen umrundet, die uns von ihren Erlebnissen berichteten und sich freuten, dass wir da waren um ihnen zuzuhoeren. Ein Mann den wir trafen, war total betrunken. Wahrscheinlich konnte er die Situation anders nicht mehr ertragen...Wie ich schon mal erwaehnt hatte sind die Meschen nah an Fluessen oder dem Meer am meisten betroffen. Jedoch haben viele keine andere Wahl als dort zu wohnen, da wo anders kein Platz fuer diese ist....

Ich werde versuchen noch einen genauren Bericht zu verfassen, um alles noch naeher zu beschreiben...aber ich weiss nicht ob ich die Zeit dafuer finde. Ich hoffe sehr, dass Anni und ich noch bei weiteren Hilfsaktionen mit eingebunden werden.